Hyper Smash Kommunikation 21

Sonntag, 24. April 2011

Der Kühlschrank auf dem Fahrrad

China ist der größte zusammenhängende Internet-Markt der Welt:
  • Inländische, also chinesische, Unternehmen haben aus verschiedenen Gründen strukturelle Vorteile, diesen digitalen Wirtschaftsraum zu erschließen
  • Die Hauptform der technisch basierten Kommunikation ist Instant Messaging, also ein text-basiertes Echtzeit-Medium. In Spitzenzeiten sind auf QQ parallel 100 Millionen Chinesen Online
  • Mehr als 45% aller Chinesen pflegen ihr persönliches Profil auf einem sozialen Medium (im Vergleich Deutschland 20%)
  • eCommerce-Portale werden intensiv genutzt und führen zu einer großen Preistransparenz für den Verbraucher
  • Fast 50% aller Chinesen führen eines oder mehrere private Blogs (im Vergleich Deutschland 5%)
  • Als soziale Ursachen für diese überaus intensive Nutzung des Internets kann die 1-Kind-Politik, der unmittelbare Spung in den digitalen Wirtschaftsraum sowie die Bedeutung der chinesischen Schriftzeichen für eine sprachunabhängige und völkerübergreifende Kommunikation ausgemacht werden
  • für die nächsten Jahre werden weiter hohe Wachstumsraten wegen der voranschreitenden Erschließung der ländlichen Räume erwartet
Die hohe Wettbewerbsintensität und die boomende Wirtschaft (besonders die digitale) führen zu ungewöhnlich erscheinenden Innovationen. Beispiel: für die Auslieferung von Ware aus dem eCommerce wird in der Logistik mit der Verbindung mit sozialen Medien experimentiert. Hierzu werden in Testregionen von herkömmlichen Logistikunternehmen (wie DHL oder UPS) Minilager von wenigen Quadratmetern Größe in hoch verdichteten urbanen Ballungsräumen eingerichtet und beliefert. Von dort übernimmt ein freiberuflicher Mitarbeiter die Endauslieferung an den Besteller und stimmt Liefertermin und Ort mit dem Empfänger eigeneständig über soziale Netzwerke und IM ab. Das erspart dem Logistikunternehmen den hohen Aufwand, mit Kleinfahrzeugen durch den dichten großstädtischen Verkehr an Privatadressen liefern zu müssen und kann bei einer Zellengröße von weniger als 1 Kilometer hunderttausenden von Freiberuflern ein Zusatzeinkommen bei gleichzeitiger Erhöhung der Servicequalität für den Besteller sichern. Darüber hinaus wird das Sozialverhalten unterstützt. In der chinesischen Kultur basiert jede Transaktion auf einer persönlichen Beziehung, auch wenn diese häufig flüchtig ist.

Das man mit dem Fahrrad ganz wunderbar auch einen großen Kühlschrank (hier von Haier) ausliefern kann, zeigt folgendes Bild:

Kühlschrank Transport auf dem Fahrrad, Foto jpl

Samstag, 23. April 2011

Elektronisch durch Shanghai

Unter dem Strich reicht ein Smartphone (Android oder iPhone) um sicher durch Shanghai zu kommen. Die Grundausstattung:

Das Kindle App - kostet nichts. Darauf den Reiseführer "Travel Shanghai Mobile Traveller" laden, kostet USD 4,99. Da ist alles einschließlich beschreibenden Texten drin und der Inhalt ist gut mit sich selbst sowie Internet-Ressourcen verlinkt.

MetroNavSH als App laden. Das ist der U-Bahnfahrplan mit allen Stationen und Preisen sowie einem vollständigen Netzplan. Kostet US-$ 0,79.

Screenshots MetroNavSH, Quelle: iTunes appstore

Ich persönlich finde die U-Bahn für längere Strecken viel schneller. Taxifahrten lohnen sich für Kurzstrecken und dort, wo es keine U-Bahn gibt, da die ersten 3 Kilometer einen Festpreis von RMD 12 bzw. € 1,20 haben. Dafür sollte man die App HiSHTaxi dabeihaben. Da wird erklärt, was es mit den bunten Taxi-Farben auf sich hat. Kostet nichts.

Die Shanghai Offline Map von AE-Mobile hat den Vorteil, dass sie immer verfügbar ist, auch in der U-Bahn. Kostet US-$ 1,79

Zum Schluß noch WOW Shanghai. Diese App ist standortsensibel und zeigt mögliche Ziele im Radius um den eigenen Standort an einschließlich der U-Bahn-Linie, die in Frage kommt. Umsonst.

Für 7,57 US-$ oder 5,40 Euro ist man dann für die Streifzüge durch Shanghai gerüstet. Manko: wenn man fragen muß, hat man besser seine Zieladresse in chinesischen Schriftzeichen dabei. Da muß sich der eine oder andere elektronische Führer noch weiterentwickeln. Nur wenige Menschen sprechen flüssiges Englisch. Taxifahrer eher gar nicht. Zudem klingt die Aussprache auch von gängigen Zielen im Chinesischen völlig anders.

Donnerstag, 21. April 2011

Einkommensverteilung und Mediennutzung in China

Interessante Fakten: China ist in der Fläche etwa so groß wie die USA. Die meisten Chinesen wohnen in der östlichen Landeshälfte, da nur dort ausreichend Regen fällt. Der Rest ist weitgehend zu trocken, Wüste oder Gebirge. Das bedeutet, daß mehr als eine Milliarde Menschen in einem Gebiet leben, daß der Fläche der USA östlich vom Mississippi entspricht. Nur 60 Millionen Chinesen verfügen über ein Einkommen, das irgendwo vergleichbar auf "westlichen" Niveaus liegt. 600 Millionen Menschen haben ein Tageseinkommen von weniger als 3 USD und nochmal 400 Millionen Menschen kommen auf ein Einkommen zwischen 3 und 6 USD am Tag. Ein typisches Großstadteinkommen für gut ausgebildete Chinesen beginnt bei US-$ 10.000 im Jahr oder umgerechnet € 600 im Monat. In dieser Einkommensliga verfügen die meisten jungen Leute dann über eine umfangreiche Sammlung an elektronsichen Geräten zwischen PC, Smartphone oder Digitalkamera. Im Gegensatz zu Wohnraum, Transport, Kleidung und Nahrung unterscheiden sich die Preise für Elektronik nur unwesentlich im Vergleich zu Europa. Das führt einerseits zu einem scharfen Preiswettbewerb insbesonders in der Nachfrage als auch zu einer intensiven Nutzung der vorhandenen Geräte, da diese relativ betrachtet einen sehr hohen individuellen Wert aufweisen. Für ca. US-$ 20 "flat" ist man dann einen ganzen Monat online und nutzt dies überdurchschnittlich aus. Das 'China Internet Network Information Center (CINNC)' gibt die tägliche indiduelle Nutzunsgzeit des Internets mit 3,1 Stunden je Online-Chinesen an. Im Vergleich liegt dieser Wert für die USA bei 2,3 Stunden und in Deutschland bei 83 Minuten oder 1,38 Stunden.

Shanghai Stadtmodell - Foto jpl
Bis 2015 werden 700 Millionen Chinesen in Städen leben. Heute gibt es bereits 166 Städte mit mehr als 1 Million Einwohner. Insbesondere die jungen Stadtbewohner werden die intensive Nutzung des Internets über alle Medienkanäle weiter vorantreiben. Ein weiterer Grund für die intensive Internet-Nutzung ist das Monopol der KPCh auf die Inhalte die klassischen Medien. Die staatliche Fernsehgesellschaft CCTV betreibt zwar 50 Kanäle, diese sind jedoch aufgrund der 'Harmonisierung' durch die Aufsichtsgremien der KPCh ziemlich gleichförmig. Abwechslung gibt es dann Online. Wo und wie sich die Nutzungsinhalte vom 'westlichen Internet unterscheiden, findet sich auf meinen anderern Posts aus China. Einfach auf das Label China in der Navigation seitlich oben rechts klicken.

Mittwoch, 20. April 2011

Sina Nachrichten

Sina ist ein chinesisches Web-Portal mit dem Schwerpunkt auf Nachrichten. Laut Statistik nutzen 80% aller Chinesen, die das Internet nutzen, wenigsten einmal täglich ein Nachrichten-Angebot. Hier mischt Sina kräftig mit. Mit einer Unzahl an Kanälen und Funktionen hat sich Sina als Marktführer im Nachreichten-Sektor etabliert.

 
Im Gegenzug ist die Nutzung von gedruckten Nachrichten-Medien in China in den letzten Jahren signifikant gesunken. Nur 30% aller Nutzer gaben an, auch gedruckte Nachrichten zu konsumieren. Zwei Jahre davor waren es noch 49%. Sina betreibt spezialisierte Seiten für jede chinesisch-sprachige Nutzergruppe, darunter:
  • Chinesen in der PRC
  • Chinesen in Taiwan
  • Chinesen in Hongkong
  • Chinesen in den USA


Für den Rest von uns stellt Sina auch ein Englisch-sprachiges Nachrichtenportal für China bereit. Dieses ist zu erreichen unter: http://english.sina.com/

 
Jin Mao Tower. Foto: jpl
Sina sitzt in Beijing mit einem repräsentativen Büro im Jin Mao Tower in Shanghai und erzielte in 2009 einen Umsatz von 350 Mio. US-$ und einen Gewinn von 412 Mio. US-$ (nach Sondereffekten).

Montag, 18. April 2011

Ctrip

ctrip.cn ist eine der Top-Seiten im chinesischen Internet. Ctrip ist eine Reiseportal, ähnlich wie Expedia, auf dem man Flüge, Hotels und Pauschalangebote buchen kann. Alle Preise sind in Yuan oder RMB. Vorteilhafterweise gibt es diese Seite auch in einer englischen Version, so daß man sie als Schriftunkundiger auch benutzen kann. Praktisch sind Zusatzfunktionen wie Ctripper oder die verschiedenen eingebundenen Blogs über Reisen in China. Dieser hier gefällt mir: "Wenn Sie wirklich vorhaben, China zu verstehen: Viel Glück!"

Ctrip gibt es bereits seit 1999 und hat seinen Sitz in Shanghai.

Zum Einordnen: der günstigste Flug von Shanghai nach Peking (etwa 1.100 Kilometer) kosten RMB 570, also etwas € 60.