Reisebericht Vietnam
Eine Reise nach Hanoi ist ein bischen wie Zeitmaschine. So könnte es 2017 auch in Ost-Berlin aussehen, wenn wir die friedliche Revolution nicht gehabt hätten. Am Lenin-Denkmal ist die sozialistische Welt noch in Ordnung. Die Ehrenkränze stehen ordentlich vor dem Denkmal auf dem großen Platz.
Wir fahren an einer großen Schule vorbei. Kinder mit weißen Blusen oder Hemden mit roten Pionier-Halstüchern paradieren in der Pause,
Das Ho-Chi-Minh-Mausoleum wirkt wie eine Kopie des Roten Platzes in Moskau. Die rote Mauer des Kreml-Palastes fehlt und alles ist zwei Nummern kleiner. Auf der anderen Seite des Platzes steht auch kein GUM, aber dafür kommen wie in Moskau viele Familien in Sonntagskleidung auf den Platz, um Onkel Ho ihre Referenz zu erweisen.
Wenn wir mal schnell ein Foto posten, dann stehen die meisten Ressourcen. Das Internet in Vietnam ist viel offener als das vom Nachbarn China. Die Google-Produkte funktionieren nur sehr langsam - kein Problem gibt es mit der Palette der Mircosoft-Dienste. Ich habe meine Search-Engine von Google auf Bing umgestellt und alles lief flüssig.
Geht man mobil ins Internet, führt kein Weg an Viettel vorbei. Das ist der einzige Anbieter im ganzen Land und wird praktischer weise gleich von der Armee betreiben - so braucht man wenigstens keine Tarnfirma dazwischen zu schalten. Viettel gehört zu den am schnellsten wachsenden Mobilfunkfirmen der Welt.
Eigenständige Digitalisierung gibt es in Vietnam nur von oben - sprich von Staats wegen. So plant man für das Überwachen des chaotischen Verkehrs die Einführung einer zentralen Überwachung einschließlich der vollständigen Überwachung und digitale Erfassung aller Nummernschilder im Straßenverkehr. Ein Lieblingsvorhaben des Verteidigungsministeriums ist das "Projekt AI", da dem Ministerium wohl gedämmert ist, dass das Land auf stark verbesserte IT-Security dringend angewiesen ist.
Historisch steht man dem Nachbarn China unerklärt abweisend gegenüber. Daher gibt es keine sichtbare Präsenz der großen chinesischen Platzhirschen im Internet wie Baidoo, WeChat, JD oder Didi Chuxing.
So geht man im sozialistischen Vietnam einen eigenen Weg in der digitalen Gesellschaft. Es ist eine Mischung aus Staatsbetrieben und US-Unternehmen unter Ausblendung der chinesischen Anbieter. Nennenswerte Privatbetriebe in der IT-Wirtschaft gibt es nicht, auch wenn die Regierung in Hanoi gerne verkündet, dass man sich von Facebook und Co gerne unabhängig machen wollte, in dem man seine eigenen vietnamesischen Portale startet. Es sieht so aus, dass es eine gewisse Lücke zwischen dem digitalen Anspruch und der harschen Wirklichkeit gäbe.
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Samstag, 27. Mai 2017
Freitag, 26. Mai 2017
1/2 - digitale Reiseerlebnisse in Vietnam
Reisebericht Vietnam
Heute ist wieder ein Reisetag und wir fliegen mit Vietnam Airlines (VN) von Da Nang nach Hanoi.
Heute ist wieder ein Reisetag und wir fliegen mit Vietnam Airlines (VN) von Da Nang nach Hanoi.
Ich versuche, auf mehreren Kanälen online einzuchecken, aber dies misslang, da VN einen antiquierten Flashplayer auf seiner Online Seite verwendet.
Vietnam steht auf dem Weg zur Digitalisierung noch sehr am Anfang. Die Hotels haben es am ehesten verstanden und fragen beim Check-Out nach positiven Bewertungen auf TripAdvisor oder Booking.com.
In Saigon gibt es ÜBER oder GRAB, in den weiteren Städten ist davon aber nichts zu finden. Die ganze Wirtschaft ist Papier basiert. Das fängt bei den Geldscheinen an, geht über die Zettelwirtschaft bis zu Papierformularen aller Art.
Ob im Hotel oder beim Schneider, Informationen, die digital übermittelt wurden, werden erst mal per Hand in Papierkladden eingetragen und abgearbeitet.
Kostenloses und ungesichertes WiFi ist hingegen überall zu finden, sogar in Netzen, die die ganze Stadt abdecken, wie in Hoi An. Dafür sind diese Netze langsam wie die Schneckenpost.
Manchmal entsteht aus dem Vor-digitalen eine Geschäftsidee, so bei baolau.vn. Da die vietnamesische Eisenbahn keine ausländischen Kreditkarten akzeptiert, schaltet sich baolau davor und ermöglicht gegen Gebühr die Online Buchung über ein Interface.
Noch ist man nicht so weit, dass in den Preisen eine Kreditkarten Gebühr inkludiert wäre. Zahlt man mit Karte anstatt mit Bargeld, werden in der Regel 3 % Aufpreis fällig, die entweder per Hand oder per Taschenrechner ausgerechnet werden.
Auch eine elektronische Registrierkasse sieht man nirgends. Ob in Läden oder in Restaurants, die Buchungen werden alle per Hand auf Zetteln vorgenommen. Vermutlich existiert eine größere Schattenwirtschaft zum Missfallen des Finanzamtes.
Es gibt ein paar wenige einheimische Internet-Plattformen wie Zalo.vn, ansonsten dominieren US-Dienste oder Lösungen aus anderen Südost-asiatischen Ländern: http://m.english.vietnamnet.vn/fms/science-it/173286/internet-economy-yet-to-take-off-in-southeast-asia.html#
Meine Einschätzung: der Grad der Digitalisierung der Gesellschaft in Vietnam entspricht Deutschland vor dem Jahr 2000. Asiatische Länder wie Indien oder Thailand sind Jahrzehnte voraus, am weitesten fortgeschritten dürfte Südkorea sein - mit einem Vorsprung von 5 Jahren auf Deutschland.
Samstag, 13. Oktober 2012
Das feine Gift aus Bits und Bytes
„Das feine Gift aus Bits und Bytes“ zirkuliere im
Wirtschaftskreislauf des Buches. So sieht es jedenfalls Jesko Schulze-Reimpell
vom Donaukurier in der Ausgabe vom 10.
Oktober 2012. Der Buchmarkt stehe sicher vor einem gewaltigen Wandel, aber
Sorgen machen solle man sich mal nicht machen, denn „Papier ist schöner“ und
das Papierbuch wird Bestand haben, da es am Ende doch mehr Spaß macht Literatur
auf Papier anstatt als Text auf einem Display zu lesen. Wie es sich für eine so
innovative Zeitung gehört, gibt es den Artikel natürlich nicht online, sonst
hätte ich gerne den Link zu diesem spannenden Leitartikel auf Seite 2
eingefügt.
Sprung nach Spanien: „El Pais“, die
auflagenstärkste Tageszeitung dort, ist wegen Wirtschaftskrise und wegen der
digitalen Revolution mächtig unter Druck. Der Chef der Verlagsgruppe, Juan Luis Cebrian,
selbst 68 Jahre jung, kündigte die Streichung von einem Drittel der 464 Stellen
im Redaktionsbereich an und sagt "Wer kein Twitter-Konto hat, hat hier
nichts mehr verloren. Diejenigen über 50 haben nicht das berufliche Profil für
das von uns angestrebte Zeitungsmodell". Starker Tobak für die Belegschaft
und die „Welt“ bietet auch einen Link
zur Story.
Zurück zu den e-Büchern, die laut Donaukurier keiner liest, keiner mag und keiner
braucht. Erst mal ein bischen Recherche – wie gut, dass so viele Blogs gibt.
Die erste Fundstelle in Blogs heißt „Open
Parachute“ und dort hat Ken Perrot aus Neuseeland die Entwicklung der
Marktanteile von 2002 bis 2010 in den USA zusammengetragen. Man sieht deutlich
die Hockeykurve ab 2010, in denen die
neuen Lesegeräte von Nook bis Kindle den Markt förmlich haben explodieren
lassen. Für 2012 finde ich die Marktanteile in der Digital
Book World – 25% in Nordamerika aktuell. Bei der Fortschreibung habe ich
mich für eine polynomische Trendlinie entschieden. Bei dieser Betrachtung kämen
80% in den USA bereits im Jahr 2015 zusammen. Heute denken ja noch viele, dass die
Nachfrage nach besonderen Buchformaten mit Fotos die Wachstumskurve für die
e-Bücher bald wieder abflachen lassen wird – wir werden es sehen. Die großen
internationalen Märkte entwickeln sich in sehr unterschiedlicher
Geschwindigkeit. Wieder sind Brasilien und Indien vorne dabei, während das
früher technologisch führende Land Japan in diesem Trend selbst Deutschland
hinterherhinkt. Mit einem Marktanteil von aktuell 2-3% befindet sich
Deutschland derzeit im Jahr 2009 der US-Kurve oben.
Labels:
Buch,
Digitale Wildnis,
e-Buch
Standort:
Ingolstadt, Deutschland
Freitag, 10. August 2012
4 Sheriffs gegen 12 Trillionen
„Vier
Sheriffs zensieren die Welt“ textet reißerisch „Die Zeit“ um Google und Co
an den Pranger zu stellen. Der Redakteur unterstellt, dass Google und Co Inhalte
zensiert, weil es Suchergebnisse nach bestimmten Kriterien sortiert oder dass
Facebook schnüffelt, weil es immer wieder seltsame Fragen an seine Nutzer
stellt. Leider findet sich kein Wort dazu, in welch hohem Maße solche
Plattformen von seinen Nutzern zur Artikulation und zur Kommunikation verwendet
werden. 1 Milliarde Posts am Tag auf Facebook lassen darauf schließen, dass noch nie so
viele so vieles schriftlich mitgeteilt haben (siehe „Die
Renaissance der Verschriftung“). Doch wie viel wird davon gelesen? Laut Sturgeons Gesetz ist
90% von allem sowieso Mist – und diese Einsicht hatte er bereits 1951. In der
bemerkenswerte Studie „The
Social Economy“ hat sich das US-Beratungsunternehmen McKinsey auch der
Beantwortung dieser komplexen Frage gewidmet:
| Quelle: McKinsey "The Social Ecoomy" (Zitat) |
Antwort: in den USA werden pro Jahr 12 Trillion Wörter
konsumiert. Das bedarf der Konvertierung, da die wenigsten von uns mit solchen
Summen operieren. Eine „Trillion“ im Amerikanischen kann man auch als 10 hoch
12 oder als eine 1 mit zwölf Nullen ausdrücken. Im Deutschen sagen wir dazu 1
Billion. Bemerkenswert ist die historische Entwicklung der unterschiedlichen
Konsumkanäle. Der Konsum von gesprochenen oder geschriebenen Wörtern in den
klassischen Kommunikationskanälen Telefon, Fernsehen, Post aber auch im
zwischenmenschlichen Dialog hat seinen Höhepunkt bereits um die
Jahrhundertwende überschritten. Seitdem geht die Nutzung dieser Kanäle deutlich
zurück, während gleichzeitig der Gesamtkonsum von Wörtern deutlich ansteigt.
Noch liegt der Wortanteil der sozialen Medien unter 10%. Allerdings kommen Zeitschriften und deren digitale Pedanten zunehmend unter Druck, was auch den Zeit-Artikel ein Stück weit erklärt, Das hohe generelle Zuwachstempo in den letzten 10 Jahren lässt darauf schließen, dass
sich die Dynamik unverändert fortsetzt. „Das
ist alles zu viel“ sagen die einen, während die Technologieführer mit
verfeinerter Technologie versuchen auf dieses veränderte Konsumverhalten von
hunderten von Millionen zu reagieren. In einer logischen Weiterentwicklung und
als Antwort auf den steigenden Konsum von geschriebenen Wörtern verzichtet
beispielsweise Microsoft in seiner neuesten Ausgabe seines Betriebssystems - Windows 8 - auf die Abbildung
von niedlichen Vögelchen oder Schafen vor Teletubby-Landschaften. Stattdessen
gibt es einen „cleanen Look“ und auf den Metro-Kacheln tummeln sich Nachrichten
und Statusmeldungen. Auch solche marginal erscheinenden Veränderungen werden dazu
beitragen, dass der Wortkonsum in den nächsten Jahren weiterhin steil nach oben
zeigt.
Zurück zur „Zeit“. Die Online-Ausgabe erreicht immerhin Platz 56 im
deutschen Traffic-Ranking
und bekommt auf Facebook noch 1.184
„gefällt das“.
Feiner Zug von McKinsey: die ganze Studie gibt es kostenlos als eBook.
Donnerstag, 3. März 2011
Die analoge Bowlingbahn
Neulich war ich mal wieder bowlen. Diesmal in der Cosmos Bowling Arena in Ingolstadt (Richard-Wagner-Str. beim Westpark). Auf den ersten Blick – alles ein bisschen angestaubt – wie früher eben. Die üblichen amerikanischen Versatzstücke: verkitschte Freiheitsstatue, Neon-Schriftzüge von Budweiser, ein paar Spielgeräte. Eine US-Fahne gab es aber nicht – vielleicht ist das in Deutschland nicht mehr opportun (leider). Dann ein Blick auf die Technik – auch von früher. Echt analog. Vom Röhrenmonitor über der Bahn mit flackerndem Bild bis zum Lautsprechersystem mit schrägen Rückkopplungen und einer Speisekarte auf Papier über der Bar. Steinalt.
| Foto: jpl |
Szenenwechsel: Bei Cisco macht man sich Gedanken, wie man die Austattungsanforderungen an das Netzwerk der Olympischen Spiele 2012 in London realisieren kann. Das Netzwerkkonzept, das derzeit in London realisiert wird, übertrifft das Netzwerkkonzept von Beijing 2008 um das 36-fache. In nur vier Jahren? Das zeigt, mit welcher Macht das bewegte Echtzeitbild ins Internet drängt und dem terrestrischen Fernsehen zügig Marktanteile abjagt. Damit werden auch die Wertschöpfungsketten verschoben. Wie bei jeder Umverteilung wird es Gewinner und Verlierer sowohl bei den Anbietern, als auch den Verteilern und der Werbetreibenden geben.
Unter dem Titel „Stadium Vision“ hat Cisco die Digitalisierung der Raumausstattung von Sportveranstaltungsstätten durchgearbeitet. Dabei geht es in erster Linie um:
Unter dem Titel „Stadium Vision“ hat Cisco die Digitalisierung der Raumausstattung von Sportveranstaltungsstätten durchgearbeitet. Dabei geht es in erster Linie um:
Die Verknüpfung von Live-Bild mit innovativen Werbeformaten für den Einsatz in Gängen oder in Lounges
Neue Effekte bei der Überlagerung von Werbeeinblendungen (Skinning).
Mehrwertlösungen für den Lounge-Betrieb wie das Bestellen von Essen und Getränken über Anwendungen, die auf dem Telefon als „Client“ liegen, während das dazugehörige Menü in Echtzeit auf dem Bildschirm angezeigt wird.
| Foto: jpl |
De Besuch bei Cosmos war ein weiterer Streifzug durch die digitale Wildnis – die Webseite von Cosmos passt auch genau ins Bild. Für mein Blog K21 führe ich den Begriff „digitale Wildnis“ jetzt auch als „Tag“ ein. Bisher redeten wir beim Begriff der „digitalen Spaltung“ immer nur von Menschen, die an der digitalen Revolution teilhaben oder eben nicht. Jetzt wurde mir klarer: das gilt in einem noch viel stärkeren Maß für Unternehmen. Und aus dieser Erkenntnis ergeben sich jede Menge Chancen.
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