Hyper Smash Kommunikation 21

Donnerstag, 19. Juli 2012

Automatisierte Gewinnung von Wissen bei den Olympischen Spielen London 2012


In wenigen Tagen beginnen die Olympischen Spiele und David Cameron spricht von der am weitesten entwickelten Sicherheit, die die Olympischen Spiele je gesehen hätten.



Gleichzeitig sagt er, dass die Sicherheitsmaßnahmen den Geist der Olympischen Spiele unterstützen würden – und der ist bekanntlich friedlich. Flakstellungen auf Hochhausdächern sind da eher abträglich und wohl eher nur für Fernsehbilder als für die echte Abschreckung geeignet - von 9/11 Szenarien einmal abgesehen.

Drei mögliche Technologie-Szenarien für seine sibyllinischen Sätze:
1.In ganz London wird während der Olympischen Spiele offenes WLAN angeboten. Das kennt man zwar schon aus österreichischen Bergdörfern oder Italien, für eine Millionenstadt wie London ist die flächendeckende Ausleuchtung aber neu. Sehr praktisch ist dieser Köder, der von Millionen Einheimischen und Besuchern aus aller Welt als attraktives Serviceangebot bedenkenlos geschluckt werden wird. Dadurch wird die Sicherheit in die Lage versetzt, von Millionen von Nutzern dynamische Bewegungsprofile in Echtzeit aufzuzeichnen, auszuwerten und für die unmittelbare Einsatzplanung einzusetzen.

2. Millionen von Menschen in London werden während der Olympischen Spiele entweder über dieses WLAN-Netz oder über andere Netze soziale Medien mit einer Intensität nutzen wie niemals zuvor. Dieser beständige Schwall an Nachrichten, deren Nutzer sich lokalisieren lassen (siehe 1) ruft natürlich geradezu nach „Social Mining“. Programme spezialisierter Hersteller, wie beispielsweise SAS, können den permanenten Newsfeed ab-ernten und nach bestimmten Wörtern oder Zusammenhängen durchsuchen. Dadurch können bedrohliche Situationen im Vorfeld erkannt und über präzise Standortbestimmung der Feed-Quellen mit Sicherheitskräften angegangen werden.

3. Schon lange vor den Olympischen Spielen war London eine Stadt, die an allen möglichen und unmöglichen Orten gespickt war mit Videoüberwachungsanlagen. Die allabendlichen Real- Crime-Fernsehserien in Großbritannien haben hohe Einschaltquoten und basieren auf dem Material dieser Überwachungsanlagen. Netterweise gibt es auch Städte in Großbritannien, deren Videoüberwachungsanlagen im öffentlichen Raum jetzt auch sprechen (!).

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Es wäre ja zu erwarten, dass die CCTVs in London nun alle voll digital arbeiten und vernetzt sind. Damit ergäbe sich das perfekte Netz: bei Feeds und Posts, die für die Sicherheitskräfte interessant erscheinen, ließe sich über die Standortbestimmung der IP im WLAN die Kamera auf die Personengruppe ausrichten. Jetzt noch Gesichtserkennung der neuesten Technologie (was Facebook macht, ist nur „light“) und – Bingo – schon könnte man eingrenzen, wer was wo mitgeteilt hat.
Da ist nur eine Spekulation – ich wette, da gibt es noch ein paar mehr Szenarien und nach Olympia werden wir ein paar coole (oder bedrohliche, je nach Façon) Geschichten im Wired lesen. So wird dann auch bei Olympia aus in Echtzeit automatisiert ausgelesener und aggregierter Information Wissen gewonnen, dass dann situativ, präventiv oder reaktiv angewendet werden kann.

Dienstag, 17. Juli 2012

Das ist alles Zuviel


David Weinberger, Quelle WikiCommons
Gottfried Leibniz aus Leipzig, deutscher Universalwissenschaftler aus dem 17. Jahrhundert sprach von einer schrecklichen Masse sich täglich auftürmender Bücher. Damit meinte er auch kulturelle Institutionen seiner Zeit, in denen Bücher manchmal mehr eine Alibifunktion einnahmen. Novalis prägte 1798 das Wort der „Bücherseuche“. Ursache waren die Druckerpressen und die zunehmende Verfügbarkeit von Papier. Entsprechend konnten mehr Inhalte denn je an mehr Lesende – oder zumindest Sammelnde – denn je verkauft werden. In der digitalen Welt 200 Jahre später mit Speicherplatz zum Nulltarif gibt es nun kein Halten mehr. Daten, Informationen und Wissen überfluten uns in beliebigen Mengen, die immer weiter ansteigen. Wir werden erst noch lernen müssen damit umzugehen was es bedeutet, dass nichts (!) nie (!) mehr verloren geht. Richard Wurman sprach von der Angst vor der Information (Information Anxiety) und stellte die Parabel auf, dass ein heutiger New Yorker mit einer Ausgabe der New York Times mehr Informationen verarbeiten muss (falls er alles liest) als ein Engländer im 17. Jahrhundert in seinem ganzen Leben. Und das war noch vor Facebook, wo personalisierte Ausschnitte der 1 Milliarde täglichen Posts wie ein Film mit vielen Einzelbildern pro Sekunde an uns vorbeiziehen, wenn wir scrollen. Aber – Rettung naht. Clay Shirky erkannte 2008, dass es keinen „Information Overload“ gäbe, sondern dass vielmehr „Filter Failure“ – ein Versagen der persönlichen Filter – vorliegt. Auf gut Deutsch, aber zu kurz gesprungen: vielen Menschen fehlt Medienkompetenz. Allerdings, so argumentiert David Weinberger in seinem Buch „Too Big To Know“, hat die intensive Nutzung des Informationsgeflimmers im Internet unsere Denkstruktur bereits verändert: das tiefe und intensive Durchdenken komplexer Fragestellungen ist auf dem Rückzug. Eine Verflachung der politischen Debatte, in der in kurzen Abständen möglichst einfache Antworten für hochkomplexe Sachverhalte verlangt werden, ist in der andauernden Euro-Krise bestens zu beobachten. Sein Fazit: das Wissen der Welt – das Wissen von Großunternehmen - ist schon lange bei weitem viel zu groß, als das es von Einzelnen durchdrungen werden kann. Insofern ist Geschichte immer die Abfolge von unbeabsichtigten Konsequenzen. Einige weitere Einsichten:
  • ·         Alles Wissen ist sozial!
  • ·         Ein Fakt zu lernen kann das gleiche sein wie einen Fakt zu veröffentlichen (Beispiel dieses Blog)
  • ·         Das Wissen wird durch das verwendete Medium transformiert
  • ·         Information zu Daten verhält sich wie Wein zu Weinberg
  • ·         Wissen braucht Gemeinschaft. Geschlossene Gemeinschaften bergen aber das Risiko als Echokammern zu wirken
  • ·         Wissen ist Interpretation. Interpretation gedeiht im Diskurs
  • ·         Wissen ist ein Werkzeug, dass uns hilft ein Ziel zu erreichen
David Weinbergers Buch trägt den poetischen Titel „Too Big To Know! Now That the Facts Aren't the Facts, Experts Are Everywhere, and the Smartest Person in the Room Is the Room” und gibt es nicht auf Deutsch.


Sonntag, 15. Juli 2012

Intervalle und Umfang in einer Informationsstrategie

Bei der schieren Masse der Begrifflichkeiten zur digitalen Informationsvermittlung kann man schon die Übersicht verlieren. Hier hilft es, die Begriffe zu kategorisieren, damit man diese einfach zuordnen kann. Für die Tabelle hier habe ich zwei Achsen gewählt. Von links nach rechts steigt die Menge an Information, von wenigen Buchstaben bis zu vielen Seiten. Von oben nach unten steigt die Frequenz, mit der die Information wiederholt oder aktualisiert wird.















Im ersten Block finden sich Beispiele für den analogen Medientypen , z.B. das Buch. Im zweiten Block wurde das entsprechende digitale Format eingesetzt.
In einer Informationsstrategie kann man nun die Beziehung zwischen den Medientypen herstellen und sich überlegen, welches Medium für welche Art von Nachricht geeignet wäre. Eine Beziehung wäre bespielsweise, daß Twitter und Facebook sich gut einsetzen lassen, um möglichst viele Nutzer zum Besuch einer Webseite zu bewegen, auf der sie dann wiederum, auch gegen Bezahlung, ein Buch herunterladen können. Eine gut gemachte Informationsstrategie würde auch Elemente der digitalen Welt mit den herkömmlichen analogen Medien kombinieren. Warum sollte man nicht auf einem Plakat ein "f" dafür setzen, daß man es auf Facebook findet. 
Die analogen Medien werden in zwei Arten von Kampagnen unersetzlich sein:
  1. es wird auf die gezielte Durchdringung eines begrenzten aber definierten Massenmarkts gesetzt (bsp. alle Einwohner einer Stadt oder alle Besucher eines Festivals
  2. die Streuverluste in der Gruppe der durch digitale Medien nicht Erreichbaren soll ausgeglichen werden - immerhin sind ein Viertel aller Deutschen nicht Online und wollen das Medium auch nicht nutzen.
Dieser Post ist einWiederholer und wurde am 7.2.2011 geschrieben.

Freitag, 13. Juli 2012

Wie schnell wächst Wissen im Handel?


Paul Ostendoorf, Quelle: neoversum.com


Der Futurologe Paul Ostendoorf von der Uni Delft beschreibt die Weltwirtschaft im weiteren Verlauf des 21. Jahrhundert als eine, die nur noch auf dem Rohstoff Wissen basiert. Der Anteil der Beschäftigten in Produktion und Landwirtschaft wird nach seiner Prognose auf nahe Null zurückgehen. Allerdings stammte seine Prognose aus dem Jahr vor der Finanzkrise, als US-Manager alle noch begeisterte Outsourcer der eigenen Produktion waren. Da waren Sichtweisen, die in ihrer Radikalität nicht nur Obama heute bereut. Dieser bemüht sich halbherzig, die verlorenen Produktionskapazitäten  wieder zurückzuholen. In der langfristigen Entwicklung aber wird sich der Anteil der Beschäftigten im primären und sekundären Sektor weiter verringern. Auf der anderen Seite wird die Menge an Wissen weiter stark zunehmen, die dann im tertiären Sektor, dem Dienstleistungssektor, angewandt wird. Ostendoof sagte eine Verdoppelung des Wissens alle zehn Jahre voraus. Das entspricht einer kumulierten jährlichen Zunahme von 7,2 Prozent. Nicht nur aufgrund der starken Zunahme der eingeschriebenen Studenten (plus 203% in Asien) erscheint dieser Wert aber zu gering. Vergleicht man dann noch das viel höhere Wachstum der Nutzerzahlen sozialer Medien, die nahezu unbegrenzte Verfügbarkeit von Speicherplatz oder das rasante Wachstum der weltweiten Anzahl von Servern, so orientieren sich diese Technologiekurven eher an Moore’s Law, das nach unterschiedlichen Quellen eine Verdoppelung alle 2 Jahre prognostiziert. Der kumulierte Wachstumswert von Moore’s Law über 10 Jahre beträgt 3.200% oder 41% pro Jahr.

Ein kurzer Ausflug in die Wachstumswerte des weltweiten Einzelhandels. In den Jahren zwischen 2000 und 2010 wuchsen die Top 10 Händler (nach Deloitte) um durchschnittlich 9,08% pro Jahr oder 139% in 10 Jahren. Man kann sicher annehmen, dass durch die zunehmende Globalisierung und internationale Expansion (x 2) der Händler und durch die zunehmende Komplexität der Geschäftsmodelle wie Multi-Channel (x 2) das Wissen im Handel sich in diesen 10 Jahren wenigsten (240% x 200% x 200%) verfünffacht hat.
















Die technischen Kapazitäten wachsen nach dieser Betrachtung viel schneller als das aufgehäufte Wissen. Die Speicherkapazitäten sind nahezu unbegrenzt. Viel wichtiger wird in einer solchen Welt, das Wissen wiederzufinden, Wissenslücken aufzufüllen, das Wissen zu verdichten, anzureichern und anzuwenden und das Wissen zu schützen.



Mittwoch, 11. Juli 2012

Was machen die Menschen am meisten im Internet?

Was machen die Menschen am meisten im Internet? Einfache Frage - klare Antwort: sie suchen - und wie! Zunächst ein Blick auf Alexa: dort lassen sich die aktuellen Reichweiten von allen Webseiten in Echtzeit untersuchen. Unter Reichweite versteht man in Alexa, wie viele User weltweit gestern, in der letzten Woche oder in den letzten drei Monaten auf bestimmten Seiten unterwegs waren. Sichtbar wird hier auch die Dominanz der Chinesen: obwohl "nur" 1/7 des Planeten chinesisch spricht, schaffen es sowohl Baidu als auch QQ in die Top 10. Noch eine interessante Entdeckung: Microsoft steht auf Platz 7, während man nach Apple schon viel weiter unter suchen muß - mehr als Platz 36 ist nicht drin.


Im nächsten Schritt werden die Werte nach Kategorie summiert und heraus kommt eine Tortendiagramm mit einer klaren Aussage zur Rangfolge: 

Platz 1 die Menschen suchen mit 58%
Platz 2 die Menschen nutzen soziale Medien mit 28%
Platz 3 die Menschen wollen Wissen mit 7%